Jäger & Sammler

Loszulassen scheint eines der tragenden Lebensthemen der Menschen zu sein. Vermutlich kommt das ewige und oft exzessive Sammeln von Menschen, Dingen und Erinnerungen aus unserer Frühgeschichte. Bevor der Mensch zum Jäger wurde war er Sammler. Doch ich vermute, dass es unseren Vorfahren wegen ihres Nomadenlebens in der Steppe nicht auf einen großen Vorrat sondern allein auf das Sattwerden ankam. Erst als man sich in Höhlen vor Feinden zu schützen versuchte, konnten Vorräte angelegt werden – und der Schlamassel begann. Auch wenn es selbstverständlich erst einmal ein großer Segen war, für Zeiten des Mangels genug im Lager zu haben, so hat sich das Anhäufen von “MEHR” in unserer heutigen Zeit verselbständigt – und macht viele Menschen krank. Leider nicht sehr offensichtlich, sondern subtil.

So fällt es kaum jemandem auf, dass anhaltender und intensiver Konsum unsere “zivilisierte” Welt verrohen lässt. Es wird nach mehr Geld, Statussymbolen, Erfolg und Macht gegiert und gejagt, statt Wert auf einen liebevollen, respektvollen und nährenden Umgang mit unseren Mitmenschen und dem schönen Erdenrund zu pflegen, auf dem sich das ganze Leben abspielt. Die Werbung unterstützt den Konsum selbstverständlich und gaukelt uns vor, dass wir mit MEHR von allem glücklicher sind. Funktioniert leider nicht…

Was tun?
Loslassen hilft.

Als Erstes sollten wir den Gedanken loslassen, dass wir all das Zeug wirklich brauchen.
Als Zweites können wir in unseren Kopf und unser Herz schauen, ob wir all die alten Emotionen (mit negativen Ereignissen verbundene Erinnerungen samt Gefühle) festhalten oder entrümpeln wollen.
Als Drittes können wir uns all die Menschen um uns herum anschauen und uns fragen, wer uns wirklich liebt und gut tut.
Alleine diese drei Handlungen schenken enorm viel neuen Raum, frische Energie und Entspannung.

 

Ganz einfach. Zu einfach? Solche simplen Gedanken sollen helfen, heilen, glücklich machen? Ja, sorry, so ist es.

Auch das Konzept von “je komplizierter desto besser” gilt es loszulassen. Was die meisten Menschen glücklicher machen kann ist eine Rückkehr zu unserer echten Natürlichkeit. Das funktioniert mit der simplen Powerfrage* “Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein?”
Alleine schon dieser einfache Gedanke kann alles in uns und um uns in ein neues Gleichgewicht bringen. In eine neue Ordnung und Klarheit. Denn die meisten Probleme im Leben treten auf, wenn wir alles zu komplex und kompliziert machen.

Bewusstes Fühlen, Denken & Handeln

Loszulassen ist ein Akt des bewussten Handelns im Einklang mit dem Herzen und dem Verstand. Es ist ein Akt der Weiterentwicklung, den meines Erachtens unserer ganzen Spezies gut täte. Auf individuelle Weise, doch im Einklang mit allem, was uns umgibt. Zum Wohle aller Beteiligten im besten Falle.

Ich persönlich habe mein ganzes Leben lang loslassen dürfen. Hat es mich in den ersten 30 Jahre verrückt gemacht, ständig Menschen, Wohnraum und andere scheinbar lebenswichtige Dinge loszulassen, so genieße ich es jetzt – mehr oder weniger – immer mehr. Ich spüre teilweise noch leise Trauer, Traurigkeit oder Wehmut, wenn ich Abschied nehme von Menschen, Orten, Dingen und Komfortzonen, doch dieser kleine Schmerz dauert dann nur noch wenige Stunden oder Tage. Wenn ich mir diesen sanften Schmerz bewusst mache, kann ich ihn ebenfalls liebevoll verabschieden.

Das letzte Jahr hat mir gezeigt, dass meine Erkenntnisse fruchten. Ich habe meine Ehe und damit meinen geliebten Mann losgelassen, weil wir alles ausgeschöpft hatten, was wir uns gegenseitig schenken und lehren konnten. Die Liebe bleibt, doch die Unterschiede zwischen uns und die daraus resultierenden Kompromisse machten eine bewusste, liebevolle Trennung nötig. Ich habe vor fünf Jahren mein Leben in Deutschland losgelassen und bin nach Ibiza ausgewandert – ein starker Prozess mit vielen Auswirkungen. Im April bin ich dann nach Mallorca umgezogen – ganz alleine, ohne die Insel und einen Menschen dort richtig zu kennen. Neuanfang pur. Doch es bringt mich nun alles zurück zu mir – zu meinen Wurzeln, meinen Bedürfnissen und meiner Klarheit. Genial.

Mittlerweile denke ich nicht mehr über das Loslassen nach, sondern habe es in meinen Alltag integriert. Denn je weniger ich mich in einem Gefühl verbeisse, desto leichter ist mein Leben. Und Leichtigkeit ist neben Gesundheit und Genuss ein großes Ziel für mich.

Passend zu diesem wichtigen Thema habe ich ein Sternentor gemalt (Hauptbild zu diesem Artikel), dessen Botschaft ebenfalls sehr hilfreich ist. Du findest sie hier: http://bit.ly/2luGsqX

Somit hoffe ich, dass dieser kleine Artikel eine Inspiration für Dich ist, das Loslassen endlich zu lieben, statt es abzulehnen. Es ist ein Akt der Selbstliebe und etwas ganz Natürliches. Lass es uns genießen!

Von Herzen – Sonja Ariel von Staden
Port D’Andratx – Mallorca

www.sonjaariel.com

*www.powerfragen.de / Foto: Sonja Juni 2017 – von Nicole Terstappen

3 Kommentare
  1. fjodor
    fjodor sagte:

    Schön auf den Punkt gebracht! “Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen”, oder so … Im Grunde ist jedes Loslassen ein kleines Sterben und eine Vorbereitung auf den Tod, das “tägliche Sterben”. Was für manche bedrohlich oder traurig klingen mag, ist eine freudige Erleichterung!

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.